Director´s Note

DIRECTOR’S NOTE
GERD KROSKE ÜBER SEINEN FILM

Auf Heino Jaeger traf ich erstmals in Gestalt eines Bildes bei Wolli Köhler. Zu sehen war eine Bahnsteigsituation. Sehr verloren, sehr einnehmend. Ein Stadtlandschaft, tief hängende Wolken. Dass er auch „Stehgreifgeschichten“ für den Rundfunk machte, wusste ich lange nicht. Ein persönliches Kennenlernen musste ausbleiben. Jaeger verstarb bereits 1997. Aber eigentlich war es für mich nur folgerichtig, seinen präzisen Beobachtungen des deutschen Wesenszustands in Bild und Wort zu begegnen. Für mich eine nachhaltige Entdeckung, die immer wieder begreifbar werden lässt, woher all die deutsche Kleinmütigkeit, die angstbesetzten Zustände und die alltagsvergällenden Hausmeisterallüren hierzulande stammen. Heino Jaeger dabei aus dem historischen ‚off’ zu holen, gelingt nur, wenn man ihn als den kriegskindtraumatisierten Ausnahmekünstler – der genauso kaputt wie Deutschland in diesen Jahren war – erfasst. Hier sind seine Bilder und Hörstücke sehr gegenwärtige Offenbarungen, denn noch immer ist er ein präziser beißender Kommentator des Geisteszustands hierzulande.

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